Das Bilderbuch "Sam besucht Oma und Omi in Großbritannien" wurde mit dem KIMI Siegel 2019 ausgezeichnet.


    

Sam verbringt eine Woche bei Oma und Omi in Großbritannien und begleitet das Frauenpaar in seinem Alltag - geht mit Omi auf die Baustelle und mit Oma zum Streetart Festival. Sam lernt, wie es sich so lebt in Großbritannien, so ganz nah am Wasser, und so ganz nah zu London, der britischen Hauptstadt. Das Leben hier ist aufregend und vor allem bunt. In Toni Kohms Buch geht es um Vielfalt. Bunt sind die Bilder und bunt die Menschen. Alle sind irgendwie anders und alle sind irgendwie gleich - wertvoll.
Endlich angekommen.
Endlich angekommen.
Hallo Sam, wie schön, dass du wieder da bist.
Hallo Sam, wie schön, dass du wieder da bist.
Die Stadt zelebriert Vielfalt und alle machen mit.
Die Stadt zelebriert Vielfalt und alle machen mit.
Jury-Stimme:
„Ein Buch, das auf vergnügliche Weise Voreinstellungen überprüfen und überwinden hilft."
Tebbi Niminde:
Vielfaltsmerkmale: Kulturen und Herkunft erfahrbar machen, Geschlechterrollen, vielfältige Gender-Identitäten (LGBTIQ), sexuelle Orientierung
Der KIMI-Faktor: Die Geschichte handelt in erster Linie von dem abenteuerlichen Besuch bei den Großeltern. Nebenbei werden unaufdringlich und vielfältig weitere Geschichten erzählt: vom Leben in der Großstadt oder von sexueller Orientierung. Die Autorin verzichtet auf Personalpronomen [für die Hauptfigur Sam, A.d.V.]. Dies ermöglicht der Leserin bzw. dem Leser die Freiheit, für die Hauptfigur selbst ein Geschlecht zu wählen. Und nicht zuletzt durch die beeindruckend schöne Illustration erleben die Kinder, wie wichtig das Thema Vielfalt ist.
Toni Kohm erzählt hier ein Stück ihrer eigenen Geschichte unter Zurhilfenahme der Kunstfigur Sam.
INTENTION zu SAM besucht Oma und Omi in GB
-Beitrag zur Sichtbarkeit lesbischen Lebens 
-Ergänzung klassischer Frauenbilder um zeitgemäße Vorbilder
-Darstellung einer diversen und inklusiven Gesellschaft
-Althergebrachtes und Traditionelles als verbindendes Medium zwischen gestern und
 heute
-Möglichkeit aller betrachtenden Personen - mit oder ohne spezifischer
 Geschlechtszugehörigkeit - sich mit der Figur SAM zu identifizieren.
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Das Buch ist einfach gestaltet und mit wenig Text versehen, ist aber in seinen Inhalten komplex. Damit ist es kein Buch, das vorgelesen und weggelegt werden will. Es ist ein Buch für Gespräche zwischen den betrachtenden Personen. Es soll Fragen aufwerfen, zu kontroversen Diskussionen anregen und im besten Fall Recherchen initiieren.Es ist insofern gerade für Vorschüler:innen und Schulbeginnende eine hervorragende Lektüre und fördert kritisches Denken.
REZENSION
von
Birgit Brockerhoff - REGENBOGENFAMILIEN, Köln
Sam besucht Oma und Omi in Großbritannien
Toni Kohm ist mit ihrem Bilderbuch "Sam besucht Oma und Omi in Großbritannien" ein bereicherndes Geschenk für alle Kinder gelungen. Zurecht wurde das Buch mit dem KIMI Siegel 2019 (das Siegel für Vielfalt) ausgezeichnet.
Oma und Omi sind ein lesbisches, verheiratetes Paar. Zwei toughe Lesben, berufstätig und voller Kreativität und Lebensfreude. Wir begleiten Sam bei einem ein-wöchigen Besuch der beiden in Großbritannien. Wir besuchen mit Sam die Arbeitsstelle von Omi, gehen auf ein Street Art Festival mit Oma und an den Strand. Sogar ein Blick auf die  englische Königsfamilie fehlt nicht.
Auf den bunten Bildern gibt es viel zu entdecken. Besonders gefällt mir, dass in den Bildern die Menschen durchgehend divers und vielfältig dargestellt sind. In der Flughafenhalle sieht man einen Menschen im Rollstuhl, einen Punk mit buntem Irokesen-Haar, eine schwarze, alte Frau, Menschen aus allen Kulturen- und Religionen dieser Welt - ganz wie im echten Leben auf einem Flughafen.
Mit Oma und Omi lernen Kinder zwei alt gewordene Frauen kennen, die mitten im Leben stehen. Damit gibt das Buch Mädchen und Jungen einen feministischen Blick auf ältere Frauen, der nicht von Klischees und Rollenzuschreibungen durchtränkt ist , wie sonst zu häufig in Kinderbüchern (alte Frauen tragen Kleider, stricken, backen Kuchen etc.). Dass die beiden Frauen ein Paar sind, wird nicht thematisiert. Für Sam ist es ganz selbstverständlich, dass Oma und Omi zusammengehören. 
Sam ist ein 4-jähriges Kind, welches bewusst geschlechtsneutral gehalten ist. Mädchen oder Junge oder divers? Das liegt ganz im Auge der Betrachtenden. Sam ist Sam, mal neugierig, mal müde, wie jedes Kind. Das Buch verzichtet auf Personalpronomen und eröffnet damit Freiraum für die Lesenden und Schauenden, die Welt im Buch ohne einengende Vorgaben und Schablonen zu erleben. 
Ganz neben bei lernt man durch das Buch England und London kennen und auch die englische Sprache und das englische Frühstück wird nahegebracht. Gut gefällt mir, wie Kinder aktiv eingeladen werden mit dem Buch kreativ zu werden - mal kann es um 180 Grad gedreht werden, mal kann Sam gesucht werden. Mit offenen Fragen lädt es dazu ein, die Bilder für sich weiter zu erzählen. 
Am letzten Tag von Sams Besuch geht's mit Omi und Oma auf die PRIDE-Parade in London. "Das ist ein großes Fest, als Zeichen dafür, dass alle Menschen gleich sind." Ja, genau das vermittelt dieses Buch auf bezaubernde Art: Wir Menschen sind vielfältig und bunt, wir sind alt, wir sind jung, wir sind weiß, wir sind schwarz, wir sind gesund, wir sind gehandicapt, wir haben eine Königin oder eine Kanzlerin, wir essen Speck, Würstchen und Spiegelei zum Frühstück oder auch nicht. Trotz all dieser Unterschiede sind wir alle gleich - wertvoll.
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